Die persönliche Patientenverfügung in der Praxis

Selbstbestimmungsrecht und Patientenwille,
Ethische und rechtliche Grundlagen – Erstellung und Umsetzung in der Institution – Patientenkommunikation und Beratungsgespräch – Standards.

8. / 9. September, 8. / 9. November 2010

Die persönliche Patientenverfügung in der Praxis

Die Patientenverfügung ist heute als Mittel der Willensbekundung im Fall von nicht urteilsfähigen Patientinnen und Patienten anerkannt. In einer Patientenverfügung hält eine urteilsfähige Person im Voraus fest, welchen medizinischen Massnahmen sie im Fall ihrer Urteilsunfähigkeit (z.B. plötzliche Erkrankung, Koma, Unfall usw.) zustimmt und welche sie ablehnt. Weiter kann sie ihre persönliche Werthaltung in Bezug auf Lebensqualität, Krankheit, Abhängigkeit und Sterben beschreiben und eine Vertretungsperson bzw. Vertrauensperson bezeichnen, die im Namen der verfügenden Person die Einwilligung bzw. Ablehnung zu einer medizinischen Behandlung erklärt.

Die wachsende Bedeutung der Patientenverfügung widerspiegelt sich sowohl in der ärztlichen Standesethik (die medizinisch-ethischen Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW) und der ‚Ethik in der Pflegepraxis’ (Schweizerischer Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner) SBK ASI) als auch im kantonalen und schweizerischen Recht. Das neue Erwachsenenschutzgesetz (bisher ‚Vormundschaftsrecht’, Totalrevision Zivilgesetzbuch) wird 2013 in Kraft treten und die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen auf gesamtschweizerischer Ebene einheitlich regeln.

Die neue Rechtslage und die erhöhte gesellschaftliche Akzeptanz bedingen aber, dass sowohl die Erstellung als auch die Umsetzung der Patientenverfügung Qualitätskriterien genügen muss, damit sie ihren Zweck erfüllen kann. Die Frage ‚Wie können Patientenverfügungen tatsächlich der Entscheidungsfindung im medizinischen Alltag und in den verschiedenen Versorgungskontexten dienen?‘ ist von grösster Wichtigkeit.

Obwohl die Mehrheit der Menschen zu Hause sterben möchten, wird in der Schweiz überwiegend in Institutionen des Gesundheitswesens gestorben: im Spital, im Alters-, Kranken- oder Pflegeheim. Diese sind folglich die Schauplätze, wo die persönliche Patientenverfügung wirksam wird und Therapieentscheide mitgestalten soll. Doch was bedeutet dies für die einzelne Institution?

Wir laden Sie herzlich ein.
Peter Lack, Matthias Mettner, Hansruedi Stoll

Modulare Weiterbildung

Die modular aufgebaute Weiterbildung vermittelt Wissen und Kompetenzen, die für die praktische Umsetzung der Patientenverfügung notwendig sind. Die Weioterbildung besteht aus vier aufeinander aufbauenden Thementagen. Zwischen dem Besuch der Weiterbildungstage ist vorgesehen, dass die TeilnehmerInnen in ihrem Berufsalltag oder an ihrem Arbeitsort Erfahrungen sammeln, die in der Weiterbildung reflektiert werden (Praxisreflexion, Coaching).

Ziele

Die Fachpersonen

  • verfügen über aktuelles Wissen zur Bedeutung der Patientenverfügung im beruflichen Alltag
  • kennen die für die Thematik relevanten rechtlichen, medizinethischen, psychologischen und kommunikativen Fragestellungen
  • sind befähigt, Patienteinnen und Patienten, sowie Bewohnerinnen und Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen beim Erstellen der Patientenverfügung individuell zu beraten
  • kennen die zentralen Fragen, die sich bei der Einführung und im Umgang mit Patientenverfügungen in der Institution stellen

Themen der Weiterbildung

  • Selbstbestimmungsrecht und Patientenwille –
    Ethische und rechtliche Grundlagen
  • Die Patientenverfügung aus ärztlicher und pflegerischer Sicht
  • Wie Patientenverfügungen in der klinischen Praxis / im beruflichen Alltag der Entscheidungsfindung dienen – Anforderungen an eine valide Patientenverfügung, Praxistauglichkeit
  • Beispiele von Patientenverfügungen
  • Patientenkommunikation und Beratungsgespräch
  • Erstellung und Umsetzung in der Institution, Arbeit mit Patientenverfügungen in der eigenen Institution

Daten

Jeweils 09.00 – 12.30, 13.30 – 17.00

  • 8. September 2010, Mittwoch
  • 9. September 2010, Donnerstag
  • 8. November 2010, Montag
  • 9. November 2010, Dienstag

Zielpublikum:

für im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer und Menschen, die andere in Krankheit, Sterben, Verlust und Trauer begleiten

Kursleitung / DozentInnen:

  • Peter Lack
    Studium der Theologie in Luzern, Berkeley (USA) und Fribourg; Supervisor CPT / KSA; dipl. NPO-Manager VMI; Fortbildung in personenzentrierter und lösungsorientierter Beratung und in klinischer Seelsorge; während zehn Jahren in der Aids-, Pfarrei- und Klinikseelsorge; Mit-Initiator und Projektleiter von „Schwerkranke Begleiten“ im Auftrag der GGG Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige Basel; 2002 - 2009 Geschäftsleiter von GGG Voluntas; Vorsitzender ethischen Subkommission Patientenverfügungen der SAMW und fachliche Verantwortung für das Projekt „Patientenverfügung“ des Schweizerischen Roten Kreuzes; seit Juli 2009 selbständig als Dozent, Supervisor und Coach sowie als Organisationsberater und Projektleiter;
    www.peterlack.ch
  • Matthias Mettner
    Studium der Sozialwissenschaften, Theologie und im Nebenfach Psychologie; Nachdiplomstudien ‘Interdisziplinäre Gerontologie’ und ‚Executive Master of Nonprofit Management’; Studien- und Geschäftsleiter von ‘Palliative Care und Organisationsethik – Interdisziplinäre Weiterbildung CH’; 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin’ / www.gesundheitundmedizin.ch; seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Autor und Herausgeber der Bücher Wie menschenwürdig sterben? (2003) und Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende (2003).
  • Jürg Müller-Stähelin
    Dr. iur. Advokat, geboren 1961, ist seit Februar 1996 Leiter des Rechtsdienst am Universitätsspital Basel; zuvor war er 1995/1996 im Rechtsdienst des Bundesamts für Gesundheit in Bern als juristischer Mitarbeiter tätig; 1988 bis 1992 Assistent am Lehrstuhl für Strafrecht der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel;.ebenfalls in Basel erwarb er 1994 das Anwaltspatent. Er ist Mitglied der Ethikkommission beider Basel und wirkt in diversen Arbeitsgruppen der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW mit (u. a. medizinisch-ethische Grundsätze: "Recht der Patientinnen und Patienten auf Selbstbestimmung", 2005).
  • Hansruedi Stoll
    Diplom in allgemeiner Krankenpflege (Schule für Krankenpflege Kantonsspital Basel); Postcertificate Course in Oncological Nursing (Royal Marsden Hospital London/England); Master of Science in Advanced Clinical Practice Cancer Nursing (University of Surrey Guildford/England); seit 1980 klinisch ausschliesslich in der Onkologiepflege an verschiedenen Spitälern und Gebieten tätig; seit 1983 stets in Doppelanstellung Spital/Onkospitex; Dozent an verschiedenen (Fach)Hochschulen zu Themen der Onkologiepflege insbesondere aber auch zum klinischen Asessement auf Stufe BSc, MNS uind MAS Onkologie; seit 2001 Präsident von GGG Voluntas. Dem Dienst, der massgeblich die SAMW Richtlinien zu Patientenverfügungen und die Basler Patientenverfügung mit der Med. Gesellschaft Basel-Stadt und dem Universitätsspital Basel geprägt hat.
  • Andreas Weber
    Dr. med.; Facharzt für Anästhesie und Reanimation; heute vor allem als Schmerztherapeut und Palliative Mediziner für PatientInnen mit schwer kontrollierbaren Schmerzen, Atemnot und anderen Leiden tätig; Präsident von ‚palliative care – Netzwerk Zürich Schaffhausen’ / www.pallnetz.ch; Konsiliararzt der Gesundheitsversorgung Zürcher Oberland, GZO Spital Wetzikon; und von Onko Plus, Stiftung für mobile spezialisierte Palliativ- und Onkologiepflege, Zürich / www.onko-plus.ch; zudem tätig beim Aufbau und Management verschiedener, unter dem Label mediX bekannter Ärztenetze; Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen im Gesundheitswesen.

Ort:

Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstrasse 228,
8057 Zürich

Karte

Kosten:

  • Teilnahmegebühr CHF 800.-
  • inklusive Pausenerfrischungen, exklusive Mittagssnack / Lunch

PDF Version

Anmeldung