Spiritual Care –
Was im Leben und Sterben trägt

Existenzielle, spirituelle und religiöse Begleitung – emotionale und seelsorgerliche Kompetenzen in Palliative Care

24.09.2010 19.00 - 17.15 Uhr

Spiritual Care –
Was im Leben und Sterben trägt

Das Herzstück der Grundhaltung in Palliative ist die Orientierung an der Würde und Einzigartigkeit chronisch, schwer kranker und sterbender Menschen. Es sind die schwer in Worte zu fassenden Erfahrungen am Ende des Lebens, die allen Beteiligten – Patientin / Patient, Angehörige, Behandelnde, Pflegende und Begleitende – die letzte gemeinsame Zeit häufig zu einer Erfahrung des verdichteten Lebens werden lässt. Der Dichter Rainer Maria Rilke notierte, dass alle Erfahrungen, die wir in der Konfrontation mit Abschiedlichkeit und Krankheit, Sterben und Tod machen, uns „tiefer ins Leben eindrücken“.

Ähnlich betonte der Philosoph Hans-Georg Gadamer aus eigener existenzieller Erfahrung chronischen Krankseins und Gebrechlichkeit: „In der Krankheit können wir begreifen, was unser Leben wirklich trägt.“ Wer achtsam und offen andere Menschen in ihren Erfahrungen von Krankheit und Leiden, Sterben und Abschiednehmen begleitet, erfährt auch selber einen inneren Reifungsprozess. Er wird aber auch von etwas berührt, was ausserhalb der Alltagserfahrung liegt: einer nicht fassbaren, kaum mit Worten beschreibbaren Dimension des Lebens.

Überraschend begreifen wir gerade angesichts des verletzten, gefährdeten und vergänglichen Lebens die Kostbarkeit und Heiligkeit des Lebens. Wir ahnen, dass menschliche Existenz sich nicht selber verdankt, sondern in einem grossen Lebenszusammenhang steht, den – religiös gestimmte – Menschen ‘Gott’ nennen. Unabhängig von einer bestimmten Religion, Konfession oder Kultur wird diese Erfahrung als Spiritualität bezeichnet, welche die Lebensführung, Verantwortlichkeit und Ethik wesentlich bestimmt und zur Sinnfindung beiträgt.

Wie aber ist diese Erfahrung von Spiritualität kommunizierbar und kultivierbar? Was ist eigentlich Spiritualität? Wie können wir Menschen in Lebenskrisen, in Zeiten schwerer Krankheit und Verlust bei der Auseinandersetzung mit ihren existenziellen Fragen unterstützen? Was ist für sie oder ihn wesentlich und sinnstiftend im Erleben der Krankheit? Welche Quellen von Kraft, Achtsamkeit, Würde und Trost sind erkennbar? Wie lassen sich spirituelle Erfahrungen in die berufliche Realität und das eigene Leben integrieren?

Wir laden Sie herzlich ein!
Matthias Mettner und Jacqueline Sonego Mettner

Tagungsprogramm

  • 09.00 Spiritual Care – Was im Leben und Sterben trägt
    Begrüssung und Einführung
    Jacqueline Sonego Mettner, Meilen
  • 09.10 „… immer versehrter und immer heiler“ –
    Von der Würde menschlicher Bedürftigkeit

    Spiritualität, Religiosität und Glaube als seelische und soziale Ressourcen und Quellen von Kraft, Achtsamkeit, Würde und Trost
    Vortrag mit anschliessendem Gespräch von
    Matthias Mettner, Meilen / Zürich
  • 10.20 Pause
  • 10.40 Spirituell-religiöse Bedeutsamkeiten und Kompetenzen in Palliative Care
    Vortrag mit anschliessendem Gespräch von
    Cornelia Knipping, Uster
  • 11.50 Bedeutung religiöser und kultureller Unterschiede im Umgang mit Altern, Schwäche, Krankheit, Sterben und Tod
    Möglichkeiten, Grenzen und Probleme interkultureller und interreligiöser Zugänge
    Vortrag mit anschliessendem Gespräch von
    Michael Bolk, Heidelberg
  • 12.45 Mittagspause
  • 14.00 „Und meine Seele spannte weit ihre Flüge aus“ –
    Für die Seele sorgen

    Biblische und erfahrungsbezogene Überlegungen zur Seelsorge bei kranken und sterbenden Menschen
    Vortrag mit anschliessendem Gespräch von
    Pfarrerin Jacqueline Sonego Mettner, Meilen
  • 14.50 Sterben in Gott hinein?
    Gedanken eines Christenmenschen
    Vortrag mit anschliessendem Gespräch von
    Prof. Dr. Karl-Josef Kuschel, Tübingen
  • 16.10 „Grenzen: Wachstum regt sich“
    Zu Entwicklungspotenzialen in der letzten Grenzsituation des menschlichen Lebens

    Vortrag von
    Prof. Dr. Andreas Kruse, Heidelberg
  • 17.15 Schluss der Tagung

Zielpublikum:

Die Tagung ist öffentlich. Sie wendet sich an alle interessierten Frauen und Männer: an Fachpersonen und AkteurInnen im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer: Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und –therapeuten, SeelsorgerInnen und PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und andere Fachpersonen.
Angesprochen sind aber auch Verantwortliche aus der Politik, Mitglieder von Berufs- und Fachverbänden, von Stiftungen und Behörden des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen und weitere Interessierte.

Kursleitung / DozentInnen:

  • Michael Bolk
    Studium der Ethnologie, der Islamwissenschaft und des Öffentlichen Rechts an den Universitäten Marburg und Heidelberg (M.A.); diverse Forschungs- und Arbeitsaufenthalte in Asien, Nord- und Südamerika sowie im Nahen Osten; Michael Bolk ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg.
  • Cornelia Helga Knipping
    Dipl. Pflegefachfrau HF, Lehrerin für Pflegeberufe, im Besitz der Höheren Fachausbildung Pflege (HöFa 1) mit Schwerpunkt Onkologie und eines Masters of Advanced Studies (MAS) Palliative Care; bis 2006 tätig im Palliativen Brückendienst der Krebsliga St. Gallen – Appenzell; Aufbau und Leitung verschiedener Fort- und Weiterbildungslehrgänge in Palliative Care für dipl. Pflegefachpersonen; C. Knipping ist Herausgeberin des Lehrbuchs Palliative Care (Bern 2007, 2. Auflage); seit 2008 Konsulentin an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Abteilung Palliative Care und OrganisationsEthik Wien und Co-Leitung im dortigen Masterstudiengang Palliative Care; seit 2009 tätig im eigenen Pallium-Atelier.
  • Andreas Kruse
    Prof. Dr. phil. Dipl. Psych.; Studium der Psychologie, Philosophie und Musik; seit 1997 Professor und Direktor des Instituts für Gerontologie sowie Dekan der Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Vorstandsmitglied des Interdisziplinären Forums für Biomedizin und Kulturwissenschaften (IFBK); Vorsitzender der ‚Sechsten Altenberichtskommission der deutschen Bundesregierung’, Andreas Kruse ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher und allgemeinverständlicher Sachbücher und Standardwerke, u. a. Das letzte Lebensjahr. Die körperliche, psychische und soziale Situation des alten Menschen am Ende seines Lebens (2007); Zukunft Altern. Individuelle und gesellschaftliche Weichenstellungen (2009).
  • Karl-Josef Kuschel
    Prof. Dr. theol. Dr. h. c.; Studium der Germanistik und der Theologie; seit 1995 Professor an der Katholischen Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, mit dem Lehr- und Forschungsgebiet: Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs; zugleich ist er stellv. Direktor des Instituts für ökumenische und interreligiöse Forschung der Universität Tübingen; K.-J. Kuschel ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher und allgemeinverständlicher Sachbücher und Standardwerke, u. a.: Juden – Christen – Muslime: Herkunft und Zukunft (2007); Jud, Chrst und Muselmann – vereinigt? Lessings Nathan der Weise (2004); Gottes grausamer Spass? Heinrich Heines Leben mit der Katastrophe (2003); Jesus im Spiegel der Weltliteratur (1999).
  • Matthias Mettner
    Studium der Sozialwissenschaften, Theologie und im Nebenfach Psychologie; Nachdiplomstudien ‘Interdisziplinäre Gerontologie’ und ‚Executive Master of Nonprofit Management’; Studien- und Geschäftsleiter von ‘Palliative Care und Organisationsethik – Interdisziplinäre Weiterbildung CH’; 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin’ / www.gesundheitundmedizin.ch; seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Autor und Herausgeber der Bücher Wie menschenwürdig sterben? (2003) und Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende (2003).
  • Jacqueline Sonego Mettner
    Studium der Theologie; Nachdiplomstudium ‘Interdisziplinäre Gerontologie’; Pfarrerin der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Kirchgemeinde Meilen; verantwortlich u. a. für die Seelsorge in einem Alters- und Pflegeheim; Aufsätze in diversen Zeitschriften; Autorin des Buches Jedes Kind hat einen Engel. (2004); langjährige Tätigkeit als Kursleiterin und Dozentin in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens und der Seelsorge.

Ort:

Grosser Vortragssaal des Kunsthauses Zürich,
Heimplatz 1,
8001 Zürich

Karte

Kosten:

  • Tagungsgebühr A CHF 190.-
  • Tagungsgebühr B (kleines Budget). CHF 150.-
  • Tagungsgebühr C (Doppeleintritt für Paare). CHF 150.-/ Person
  • inklusive Pausenerfrischungen und Imbiss.

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