"Man müsste über alles reden können"

Von Sprachlosigkeit und Ängsten, Nähe und Wahrhaftigkeit
Kommunikative Kompetenzen in der Begleitung kranker und sterbender Menschen sowie ihrer Angehörigen

29.11- 01.12.2010

“Alles wirkliche Leben ist Begegnung“

Die eigene Kommunikationsfähigkeit ist in der Begegnung mit der Patientin / dem Patienten und ihren Angehörigen alles entscheidend. Kommunikation (lateinisch: comunicare = gemeinschaftlich tun, mitteilen) handelt davon, wie Menschen miteinander in Verbindung treten, sich mitteilen und einander erreichen. Kommunikation ist die Grundlage des Miteinander und Füreinander. Zur Kommunikation gehören aber auch Erfahrungen des Missverständnisses, des Verschweigens, der belasteten und gestörten Kommunikation. In der Begleitung kranker Menschen misslingt das Gespräch häufig dann, wenn es nicht an den Bedürfnissen des Patienten orientiert ist.

Vor allem Menschen, die Schweres erleben und Krankheit, Leiden, Sterben und Tod erfahren, sind in besonderer Weise auf gute Gespräche und eine Kommunikation angewiesen, die Nähe und Wahrhaftigkeit ermöglichen. In der palliativen Betreuung, Pflege und Begleitung ermöglichen das gute Gespräch und andere Formen der Kommunikation dem schwerkranken und sterbenden Menschen sachliche Information und Aufklärung über Diagnosen und Therapiemöglichkeiten, aber auch Raum für Gefühle und Hoffnungen. Mitfühlende Anteilnahme wird erfahrbar.

Krankheit, Schmerz und Tod sind nicht nur für den schwerkranken, leidenden, trauernden und sterbenden Menschen der ‘Ernstfall des Lebens‘. Auch jene, die in Spitälern und im Spitex-Bereich, in Alterswohn- und Pflegeheimen resp. –zentren arbeiten oder als SeelsorgerInnen, freiwillige BegleiterInnen oder pflegende Angehörige tätig sind, stehen oft rat- und hilflos vor der Frage: Wie kann ich dem schwerkranken und sterbenden Menschen begegnen? Wie kann ich ihn begleiten, ihn unterstützen und wie über das ihm Wichtige sprechen?

Immer wieder erleben wir Gefühle wie Angst, Ohnmacht und Sprachlosigkeit oder die Versuchung, in Geschäftigkeit oder Tröstungsversuche zu fliehen. Die Angst, etwas Falsches zu sagen oder zu tun, blockiert uns derart, dass wir dem Sprechen über den Schmerz und die Trauer, die Verzweiflung und die Wut, die Angst und die Einsamkeit, die Hoffnungen und Wünsche ausweichen.

“Man müsste über alles reden können” (Maxie Wander). Wenn eine nahe und wahrhaftige Begegnung und Beziehung zwischen dem kranken und dem begleitenden Menschen möglich und den Gefühlen die “Würde der Sprache” gegeben wird, erfahren beide, das “alles wirkliche Leben Begegnung ist” (Martin Buber).

Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme ein !

Jacqueline Sonego Mettner und Matthias Mettner

Themen

1. “Bedenken, dass wir sterben müssen”
  1. Persönliche Betroffenheit und Einstellung der Begleitenden zu Krankheit, Leiden, Sterben und Tod
2. Die Kunst des Zuhörens
Grundhaltungen in der Begleitung kranker und sterbender Menschen
  • “Niemand hört mir wirklich zu”-Wie Begegnungen und Gespräche misslingen
  • Einander erreichen - Aktives Zuhören:
  • An den Bedürfnissen des Patienten orientiert: Fragen lernen
  • “Ich wusste nicht, wie dir zumute ist” – Einfühlendes Verstehen / Empathie
  • Kongruenz / Echtheit / Authentizität im Gespräch
  • Wertschätzende Anteilnahme und Respekt
  • Selbstbestimmung / Selbstverantwortung ermöglichen und unterstützen
3. Menschliche Kommunikation als Grundlage des Miteinander und Füreinander
  • Ebenen der Kommunikation
  • Gute, ungeeignete und “verbotene“ Fragen im Gespräch
  • Die Bedeutung von Gesprächspausen
  • Die Sprache des Körpers / Nonverbale Kommunikation: Worte, Blicke, Gesten, Haltung, Berührung
  • Rollenspezifische Kommunikation
4. Besser verstehen und begleiten: Psychosoziale Kompetenzen
  • Ängste und Hoffnungen des kranken und sterbenden Menschen
  • Die Krise der Krankheit und Pflegebedürftigkeit
  • Psychische und soziale Stressoren des Patienten erfassen
  • Wenn PatientInnen “schwierig” werden
  • Ressourcen des PatientInnen erkennen
  • Vertrauen und Hoffnung stärken
  • “Die Sprache Sterbender”: Botschaften aus Bildern, Symbolen, Träumen
  • Über Schmerzen und Leiden sprechen
  • Wenn Sterbende nicht mehr sprechen
  • Wahrheit und Wahrhaftigkeit am Krankenbett
  • Angehörige integrieren
5. Professionelle Kommunikation und Beziehung
  • Kommunikationsfähigkeit als Schlüsselkompetenz
  • Ziele und Aufgaben psychosozialer Begleitung
  • Das Gespräch mit PatientIn und Angehörigen ”führen“
  • Grenzen setzen ohne zu verletzen
  • Regeln zur Gesprächsführung und praktische Hinweise für das Krisengespräch
6. “Alles wirkliche Leben ist Begegnung”
  • Wahrheit und Wahrhaftigkeit am Krankenbett
  • “Warum gerade ich?” / “Warum muss ich leiden?”
  • Hoffnung und Hoffnungslosigkeit
  • Sinnfragen und Seelsorge
  • Gedichte, literarische Texte,
  • Bilder und Musik in der Begleitung
  • Wenn Menschen sagen, dass sie sterben wollen
  • Von guten Worten und der “Würde der Sprache”

Arbeitszeiten / Arbeitsforme

Montag, 1. Kurstag

  • 10.00 Begrüssung und Einführung
  • 10.30 1. Arbeitseinheit
  • 12.30 Mittagessen
  • 13.30 2. Arbeitseinheit
  • 17.00 Schluss 1. Tag

Dienstag, 2. Kurstag

  • 09.00 “Kostbarster Unterrichtan den Sterbebetten” Lesung literarischer Texte und Gedichte im Wechsel mit Musik
  • 09.30 3. Arbeitseinheit
  • 12.30 Mittagessen
  • 13.30 4. Arbeitseinheit
  • 17.00 Schluss 2. Tag

Mittwoch,3. Kurstag

  • 09.00 Morgeneinstimmung
  • 09.20 5. Arbeitseinheit
  • 12.30 Mittagessen
  • 13.30 6. Arbeitseinheit
  • 16.30 Schluss des Kurses

Arbeitsformen:

Vortrag, Kurzreferat, Lesung, Plenums- und Gruppengespräch, Einzelarbeit, Übung, Rollenspiel, Video und Filmgespräch

Zielpublikum:

für im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer und Menschen, die andere in Krankheit, Sterben, Verlust und Trauer begleiten

Kursleitung / DozentInnen:

Matthias Mettner

Studium der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, Theologie und im Nebenfach Psychologie; Nachdiplomstudien ‚Interdisziplinäre Gerontologie’ INAG und ‚Executive Master of Nonprofit Management’;

Studien- und Geschäftleiter von ‚Palliative Care und Organisationsethik–Interdisziplinäre Weiterbildung CH» 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin»/ www.gesundheitundmedizin.ch seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Gründungsmitglied der Schweizerischen ALS-Vereinigung / www.ALS-vereinigung.ch;

Autor und Herausgeber der Bücher „«Dem Leben neu vertrauen. Das Buch von Trauer und Trost;”(2010 )„Wie menschenwürdig sterben?” (2003); und „Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende” (2003; hrsg. gemeinsam mit R.Schmitt-Mannhart); Aufsätze in Fachbüchern u. a. Printmedien: Enzyklopädie der Gerontologie (2004), NOVA, NZZ.

Jacqueline Sonego Mettner

Studium der Theologie; Nachdiplomstudium ‘Interdisziplinäre Gerontologie‘; Pfarrerin der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Kirchgemeinde Meilen; verantwortlich u. a. für die Seelsorge in einem Alters- und Pflegeheim; Aufsätze in diversen Zeitschriften; Autorin des BuchesJedes Kind hat einen Engel. (2004); langjährige Tätigkeit als Kursleiterin und Dozentin in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens und der Seelsorge.

Ort:

Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstrasse 228,
8057 Zürich

Karte

Kosten:

Kursgebühr CHF 570.– (exklusive Mittagessen)

Bemerkungen

Kursunterlagen und Zertifikat

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Weiterbildungsmappe mit Basisdokumenten, Literaturempfehlungen, Informations- und Arbeitsblättern zum Thema.
Die Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schriftlich bestätigt. Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.

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