Leben bis zuletzt und in Frieden sterben
Was schwer kranke und sterbende Menschen brauchen -
Palliative Care und Praxis der Sterbebegleitung
15.- 17.09.2010
Lebensqualität bis zuletzt – gut sterben
Wie ist ein Leben bis zuletzt und ein Sterben in Würde möglich? Was heisst „gut sterben“? Worauf kommt es in der Betreuung, Pflege und Begleitung entscheidend an? Wie kann die Selbstverantwortung des Patienten in der Endphase des Lebens erhalten werden? Zu diesen Fragen werden im Weiterbildungskurs gezielte und praxisnahe Informationen vermittelt. Die Teilnehmenden lernen dabei Konzept und Kernelemente einer umfassenden palliative Betreuung und Praxis der Sterbebegleitung kennen. Im Zentrum steht das Aufmerksamwerden für die Bedürfnisse und Wünsche des schwerkranken und sterbenden Menschen.
Unter Palliative Care wird eine umfassende Behandlung, Pflege und Begleitung von Menschen mit unheilbaren, chronisch fortschreitenden oder akut lebensbedrohlichen Krankheiten verstanden. In der Palliativmedizin geht es zentral - anders als in der kurativen Medizin, die ihren Schwerpunkt auf die „Heilung“ (curare, lat. = heilen) und Lebenserhaltung bzw. –verlängerung legt – um die Linderung von Leiden (pallium, lat. = Mantel). Ziel von Palliative Care ist es, den PatientInnen eine möglichst hohe Lebensqualität während des gesamten Krankheitsverlaufes bis zum Tod zu ermöglichen. Dabei sollen den Patienten störende und belastende körperliche Symptome (Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erschöpfung, etc.) optimal gelindert werden. Gleichzeitig werden soziale, seelisch-geistige und religiös-spirituelle Aspekte berücksichtigt.
Keineswegs aber beschränkt sich Palliative Care nur auf die Versorgung und Pflege von Menschen in der letzten Lebensphase („End of-Life Care“). Sie ist nicht „nur“ Sterbebegleitung, sondern richtet sich ebenso an PatientInnen, die trotz schwerer Krankheit noch eine längere und durchaus lebenswerte Zeitspanne vor sich haben.
Palliative Care ist eine wesentliche Voraussetzung für den Schutz der Rechte, der Selbstverantwortung und Würde von pflegebedürftigen älteren, von chronisch kranken, von schwer erkrankten sowie von sterbenden Menschen. Gleichzeitig ermöglicht die palliative Betreuung den Pflegenden und anderen Mitarbeitenden sowie pflegenden Angehörigen ihre Arbeit als sinnvoll zu erleben und den täglichen Belastungen besser standzuhalten. Als Antwort auf schweres Leiden ist das Konzept Palliative Care heute für viele Menschen - PatientInnen, Angehörige sowie Pflege- und Gesundheitsberufe - ein starkes Hoffnungszeichen.
Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme ein !
Matthias Mettner
Themen
1. Berührt von Sterben und Tod- Persönliche Einstellung der Begleitenden zu Leiden, Sterben und Tod
- Jede / jeder stirbt anders
- Körperlicher und seelischer Verlauf des Sterbeprozesses
- Ängste und Hoffnungen im Blick auf die Endphase des Lebens
- Sterben heute: institutionalisiert, professionalisiert, individualisiert
- Häufige körperliche Beschwerden Sterbender
Palliative Care und Praxis der Sterbebegleitung
- Was qualifiziert eine kompetente Betreuung?
- Grundwerte und Haltungen, Kernelemente und Konzept von Palliative Care
- physische, psychische, soziale, spirituelle und religiöse Bedürfnisse
- „Wenn man nichts mehr machen kann, ist noch alles zu tun!“
- Zum Verhältnis von kurativer und palliativer Medizin - Schmerzen, Beschwerden und Symptome lindern und behandeln:
Instrumente der Schmerzerfassung und –beobachtung, Grundsätze der Symptombehandlung und Schmerztherapie - „Leben bis zuletzt“: Lebensqualität erhalten
- „End-of-Life-Care“ / Sterbebegleitung und Sterbebeistand
- Palliative Care in der Langzeitpflege und Geriatrie
- Zu Hause sterben / Palliative Care im Spitex-Bereich
- Palliative Care: Standards, Grundsätze, Richtlinien und Empfehlungen
- Palliative Care bei demenzkranken Menschen
- Ziele psychosozialer Intervention und Begleitung
- Krankheitserleben und -phasen
- Formen der Krankheitsverarbeitung / Coping
- das Modell der Salutogenese in seiner Bedeutung für Palliative Care
- Sterbende Menschen verstehen
- Das Schwere und das Tröstliche in der Begleitung
- Eigene Gefühle und Bedürfnisse ernstnehmen
- Von der Notwendigkeit des Abschiednehmens und des Trauerns
- Vom Geben und Nehmen
- Interdisziplinäres Zusammenarbeiten
Ethische Konflikte am Lebensende
- Autonomie und Abhängigkeit am Lebensende
- In „Würde“ sterben können
- Selbstverantwortung im Prozess des Sterbens erhalten
- Leben lassen – sterben lassen?
Zur Kommunikation und Entscheidungsfindung - Wenn ein Mensch nicht mehr leben will: Wie sich verhalten?
Arbeitszeiten / Arbeitsformen
1. Kurstag
- 10.00 Begrüssung und Einführung
- 10.30 1. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 2. Arbeitseinheit
- 17.00 Schluss 1. Tag
2. Kurstag
- 09.00 „Die schwersten Wege werden alleine gegangen„
Lesung literarischer Texte und Gedichte im Wechsel mit Musik - 09.30 3. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 4. Arbeitseinheit
- 17.30 Schluss 2. Tag
3. Kurstag
- 09.00 5. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 6. Arbeitseinheit
- 16.00 Schluss des Kurses
Arbeitsformen :
Vortrag, Impuls- und Kurzreferate, Lesung, Plenums- und Gruppengespräch,
Einzelarbeit, Übung, DVD / Video und Filmgespräch
Zielpublikum:
für im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer und Menschen, die andere in Krankheit, Sterben, Verlust und Trauer begleiten
Kursleitung / DozentInnen:
Matthias Mettner
Studium der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, Theologie und im Nebenfach Psychologie; Nachdiplomstudien ‚Interdisziplinäre Gerontologie’ INAG und ‚Executive Master of Nonprofit Management’;
Studien- und Geschäftleiter von ‚Palliative Care und Organisationsethik–Interdisziplinäre Weiterbildung CH» 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin»/ www.gesundheitundmedizin.ch seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Gründungsmitglied der Schweizerischen ALS-Vereinigung / www.ALS-vereinigung.ch;
Autor und Herausgeber der Bücher „Dem Leben neu vertrauen. Das Buch von Trauer und Trost”(2010 )„Wie menschenwürdig sterben?” (2003); und „Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende” (2003; hrsg. gemeinsam mit R.Schmitt-Mannhart); Aufsätze in Fachbüchern u. a. Printmedien: Enzyklopädie der Gerontologie (2004), NOVA, NZZ.
Andreas Weber
Dr. med.; Facharzt für Anästhesie und Reanimation; heute vor allem als Schmerztherapeut und Palliative Mediziner für PatientInnen mit schwer kontrollierbaren Schmerzen, Atemnot und anderen Leiden tätig; Präsident von ‚palliative care – Netzwerk Zürich Schaffhausen’ / www.pallnetz.ch; Konsiliararzt der Gesundheitsversorgung Zürcher Oberland, GZO Spital Wetzikon; und von Onko Plus, Stiftung für mobile spezialisierte Palliativ- und Onkologiepflege, Zürich / www.onko-plus.ch; zudem tätig beim Aufbau und Management verschiedener, unter dem Label mediX bekannter Ärztenetze; Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen im Gesundheitswesen.
Ort:
Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstrasse 228,
8057 Zürich
Kosten:
Kursgebuühr CHF 570.– (exklusive Mittagessen)Bemerkungen
Kursunterlagen und Zertifikat
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Weiterbildungsmappe mit Basisdokumenten, Literaturempfehlungen,
Informations- und Arbeitsblättern zum Thema.
Die Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern
schriftlich bestätigt. Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der
Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.