"Mehr Leben als du ahnst!"
Spiritualität und Sinnfindung in der Begleitung und Betreuung pflegebedürftiger, kranker und sterbender Menschen und ihrer Angehörigen
27.- 29.09.2010
Achtsam für die Kostbarkeit des Lebens
Wer achtsam und offen andere Menschen in ihren Erfahrungen von Krankheit und Leiden, Sterben und Abschiednehmen begleitet, erfährt einen inneren Reifungsprozess. Er wird aber auch von etwas berührt, was ausserhalb der Alltagserfahrung liegt: einer nicht fassbaren, kaum mit Worten beschreibbaren Dimension des Lebens. Situationen der Ratlosigkeit, Verzweiflung und Sprachlosigkeit verwandeln sich manchmal für Betroffene und Angehörige, Pflegende und Begleitende in Erfahrungen tiefer Begegnung und Nähe, werden zur Trost- und Kraftquelle. Es ist die Erfahrung der Würde menschlicher Bedürftigkeit.
Überraschend begreifen wir gerade angesichts des verletzten, gefährdeten und vergänglichen Lebens die Kostbarkeit und Heiligkeit des Lebens. Wir ahnen, dass menschliche Existenz sich nicht selber verdankt, sondern in einem grossen Lebenszusammenhang steht, den Menschen ‘Gott’ nennen. Unabhängig von einer bestimmten Religion, Konfession oder Kultur wird diese Erfahrung als Spiritualität bezeichnet, welche die Lebensführung, Verantwortlichkeit und Ethik wesentlich bestimmt und zur Sinnfindung beiträgt. Wie aber ist diese Erfahrung von Spiritualität kommunizierbar und kultivierbar? Was ist eigentlich Spiritualität, was ist sie nicht? Wie lässt sich die spirituelle Erfahrung in die berufliche Realität und das eigene Leben integrieren?
In der palliativen Betreuung, der Geriatrie, Rehabilitation und Langzeitpflege wird die Bedeutung der Spiritualität und Religiosität als seelische Ressource für die Begleitung und Betreuung unheilbar, chronisch und schwer kranker Menschen neu erkannt. Gelingt es, die religiösen und spirituellen Dimensionen ebenso in die Begleitung und Pflege einzubeziehen wie die emotionale Befindlichkeit der Patientin / des Patienten und der Angehörigen, werden Ressourcen zum Umgang mit der – durch die Krankheit immer wieder veränderten – Lebenssituation genutzt und wichtige Zugänge zur Verarbeitungsfähigkeit (Coping) geöffnet. Spiritualität und Kohärenzgefühl können sowohl für Patienten und Angehörige als auch Begleitende zu Quellen von Kraft, Achtsamkeit und Würde werden.
Im Kurs wird praxisnahes Grundwissen vermittelt und gemeinsam erarbeitet. Die psycho-soziale und religiös-spirituelle Kompetenz in der Begleitung der Patientinnen und Patienten wird erhöht und die Grundhaltung gegenüber den kranken Menschen, KollegInnen und Angehörigen qualifiziert.
Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme ein !
Jacqueline Sonego Mettner und Matthias Mettner
Themen
1.Wachsen in der Begegnung mit Leiden, Krankheit und Tod
- Gefühle der Ohnmacht und Sprachlosigkeit
- Vom Mut, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse ernst zu nehmen
- Kostbare Stunden: Vom Geben und Nehmen
- Die eigene Verletzlichkeit und Berührbarkeit
2.Was uns wirklich nährt – Vom Sehnen und Suchen nach lebendiger Spiritualität
- Was ist lebendige Spiritualität?
- Religiosität – Glauben – Spiritualität – Kohärenzgefühl
- Wege und Irrwege von “Spiritualität”
- Kraft nimmt und was Kraft gibt
3.Leidenschaft für das Mögliche – Grundhaltungen der Begleitung
- Psycho-soziale, religiös-spirituelle Bedürfnisse und Wünsche
- Jeder Mensch lebt mit seiner eigenen Wahrheit
- Von der spirituellen Verantwortung der BegleiterInnen
- Gegenseitige Unterstützung in der Begleitung
4.Spirituell-religiöse Kompetenz im Konzept von Palliative Care
- Spiritualität, Religiosität und Glaube als seelische Ressource und Quelle von Kraft, Achtsamkeit und Würde
- Offenheit und Respekt gegenüber existenziellen und spirituell-religiösen Fragen der Patienten
- Der psycho-soziale und existenzielle Befund (Assessment)
- Bedeutung der spirituell-religiösen Dimension für die Krankheitsverarbeitung / Coping
- Einbeziehung der Angehörigen
5.Auf der Suche nach Lebenssinn und Sinn stiftenden Beziehungen
- ‘Hauptstrassen’ der Sinnfindung
- “Warum muss ich so leiden?”
- Untröstlich sein – Grenzen der Bewältigung
- Erinnern als Lebenssinn
- Von der Gnade, danken zu können
6 Auseinandersetzung mit wesentlichen Lebensfragen kranker und sterbender Menschen
- Wahrheit und Wahrhaftigkeit
- Hoffnung und Hoffnungslosigkeit
- “Es gibt kein Leben ohne Angst” – Wie mit Angst umgehen?
- Umgang mit Schuld und Schuldgefühlen
- Erfahrungen der Gottesnähe und Gottesferne
7. “Keine Liebe, die nicht Echo wäre” (Adorno)
- Würde der Sprache, Symbole und Rituale des Lebens
- ‘Sprache ist Hoffnung, gehört zu werden’
- Beten, wie uns zumute ist
- Wege, heilend und heilsam von Gott zu sprechen
- Abschied nehmen: Bedeutung des Segens am Ende des Lebens
Arbeitszeiten / Arbeitsformen
Montag / 1. Kurstag
- 10.00 Begrüssung und Einführung
- 10.30 1. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 2. Arbeitseinheit
- 17.00 Schluss 1. Tag
Dienstag / 2. Kurstag
- 09.00 “Mehr Leben als du ahnst!”
Lesung literarischer Texte und Gedichte im Wechsel mit Musik - 09.30 3. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 4. Arbeitseinheit
- 17.00 Schluss 2. Tag
Mittwoch / 3. Kurstag
- 09.00 Morgeneinstimmung
- 09.20 5. Arbeitseinheit
- 12.30 Mittagessen
- 13.30 6. Arbeitseinheit
- 16.30 Schluss des Kurses
Arbeitsformen
Vortrag, Kurzreferat, Lesung, Plenums- und Gruppengespräch, Einzelarbeit, Übung; eventuell Video und Filmgespräch
Zielpublikum:
für im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer und Menschen, die andere in Krankheit, Sterben, Verlust und Trauer begleiten
Kursleitung / DozentInnen:
Matthias Mettner
Studium der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, Theologie und im Nebenfach Psychologie; Nachdiplomstudien ‚Interdisziplinäre Gerontologie’ INAG und ‚Executive Master of Nonprofit Management’;
Studien- und Geschäftleiter von ‚Palliative Care und Organisationsethik–Interdisziplinäre Weiterbildung CH» 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin»/ www.gesundheitundmedizin.ch seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Gründungsmitglied der Schweizerischen ALS-Vereinigung / www.ALS-vereinigung.ch;
Autor und Herausgeber der Bücher „«Dem Leben neu vertrauen. Das Buch von Trauer und Trost;”(2010 )„Wie menschenwürdig sterben?” (2003); und „Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende” (2003; hrsg. gemeinsam mit R.Schmitt-Mannhart); Aufsätze in Fachbüchern u. a. Printmedien: Enzyklopädie der Gerontologie (2004), NOVA, NZZ.
Jacqueline Sonego Mettner
Studium der Theologie; Nachdiplomstudium ‘Interdisziplinäre Gerontologie‘; Pfarrerin der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich, Kirchgemeinde Meilen; verantwortlich u. a. für die Seelsorge in einem Alters- und Pflegeheim; Aufsätze in diversen Zeitschriften; Autorin des BuchesJedes Kind hat einen Engel. (2004); langjährige Tätigkeit als Kursleiterin und Dozentin in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens und der Seelsorge.
Ort:
Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstrasse 228,
8057 Zürich
Kosten:
Fr. 570.- exkl. Essen
Bemerkungen
Kursunterlagen und Zertifikat
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Weiterbildungsmappe mit Basisdokumenten, Literaturempfehlungen, Informations- und Arbeitsblättern zum Thema.
Die Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schriftlich bescheinigt.Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.