Psychiatrische Symptome bei chronischen und schweren somatischen Erkrankungen

Psychiatrische Symptome bei chronischen und schweren somatischen Erkrankungen
Depressive Symptome, Angstzustände, Schlafstörungen, Unruhe, Delir und weitere Probleme besser erkennen und verstehen, erfassen und behandeln
Symptommanagement – Best Practice in Palliative Care

19. und 26. Januar, 2. Februar, 8. und 15. März 2012 13.00 – 17.30

Psychiatrische Symptome in Palliative Care

Ziel von Palliative Care ist es, den Patientinnen und Patienten, die von chronischen und schweren somatischen Erkrankungen betroffen sind, akut lebensbedroht oder sterbend sind, eine möglichst gute Lebensqualität und Wohlbefinden bis zuletzt zu ermöglichen. Dabei sollen belastende Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erschöpfung, Angst, Depression, Verwirrung möglichst optimal gelindert und „entsprechend den Wünschen des Patienten, auch soziale, seelisch-geistige und religiös-spirituelle Aspekte berücksichtigt werden“ (‚Palliative Care – Medizinisch-ethische Richtlinien und Empfehlungen’, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW, 2006). Im Zentrum der Behandlung und Begleitung stehen die Krankheitssymptome und Probleme, welche die Patientin / den Patienten am stärksten stören und belasten. Palliative Care „achtet die Würde und Autonomie des Patienten und stellt seine Prioritäten in den Mittelpunkt“.

Im Wissen darum, dass die letzte Lebensphase, „das Sterben“ so individuell wie das Leben und der Krankheitsverlauf eines jeden Patienten ist, steht die Lebensqualität des Patienten, sein subjektives Leiden, seine Wünsche, Ängste und Hoffnungen im Zentrum aller Bemühungen von Palliative Care. Lebensqualität wird nicht primär medizinisch definiert, sondern im lebensgeschichtlichen Kontext der Patientin / des Patienten verstanden.

Immer mehr wird die Bedeutung psychiatrischer Symptome in Palliative Care erkannt: Depressive Symptome, Angstzustände, Schlafstörungen, Unruhe, akute Verwirrtheitszustände, Suizidalität, die im Zusammenhang chronisch degenerativer und schwer somatischer Erkrankungen auftreten, sind schwerwiegende, belastende Leiden und erschweren häufig die Schmerzbehandlung und die Linderung anderer Krankheitsbeschwerden.

In den fünf Tagesseminaren wird Basiswissen zu den häufigsten psychiatrischen Symptomen vermittelt: theoretische Grundlagen und praxisnahes Grundwissen im Sinne von ‚best practice Empfehlungen in Palliative Care‘. Da der unbedingte Respekt vor der Würde und Autonomie wesentlich zu den Werten und zur Grundhaltung in Palliative Care gehört, werden im fünften Seminar ethische Fragen bei der Entscheidungsfindung erörtert.

Wir laden Sie herzlich ein!

Matthias Mettner

Tagesseminare

Donnerstag, 19. Januar 2012
13.00 – 17.30 Uhr
Ausgewählte psychiatrische Probleme bei schweren somatischen Erkrankungen: Akuter Verwirrtheitszustand / Delir, Unruhe und Angst
Häufigkeit, Ursachen, Klinik, Diagnostik, Therapie
Dozent: Privatdozent Dr. med. Josef Jenewein, Zürich

Das Seminar thematisiert die häufigen psychiatrischen Symptome ‚Delir‘ und ‚Angst‘: Das Delirium / Delir – deutsch: akuter Verwirrtheitszustand – ist ein „komplexes Syndrom, welches verschiedendste Ursachen hat und gekennzeichnet ist durch gewichtige Störungen des Bewusstseins, der Wahrnehmung, des Denkens und des Schlafes“ (Caraceni / Grassi 2003). Bei schweren somatischen Erkrankungen tritt das Delir häufig auf und kann schwerwiegende Konsequenzen haben: Selbst- oder Fremdgefährdung des Patienten, Verlust der Selbstständigkeit, Kommunikationsstörungen, Abbruch der zwischenmenschlichen Beziehungen, Abnahme des Urteilsvermögens u. a. Ebenso häufig ist Angst ein stark die Lebensqualität der PatientInnen und Angehörigen belastendes Symptom. Die existenziellen Ängste – vor dem Tod, dem Sterben, der Ungewissheit, vor der Trennung von der Familie, vor konkreten Entscheidungen, etc. – kann sich zu einer das ganze Lebensgefühl dominierenden Angst entwickeln oder Angststörungen verursachen bis hin zu psychotischen Ängsten.

Donnerstag, 26. Januar 2012
13.00 – 17.30 Uhr
Gerontopsychiatrische Phänomene am Lebensende –
Palliative Care in der Gerontopsychiatrie

Psychische Not und Verhaltensveränderungen multimorbider geriatrischer Patienten – Palliative Care und ressourcen–orientierte Beziehungspflege
Dozent: Prof. Dr. med. Erich Grond, Hagen D

Die meisten sterbenden Menschen sind alt und multimorbid, das heisst, sie leiden gleichzeitig an mehreren chronischen Erkrankungen. Häufig leiden sie unter gerontopsychiatrischen Phänomenen. Im Seminar werden ausgewählte psychische Nöte und Verhaltensveränderungen alter Menschen am Lebensende und im Sterbeprozess in ihren möglichen Ursachen und angemessenen Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt: aggressives Verhalten, apathischer Rückzug, Aphasie / zentrale Sprachstörung, Desorientierung / Orientierungsstörungen, Trugwahrnehmungen, psychotische Symptome, Schreien, Unruhe, Verwirrtheitszustände, Suizidalität, widerspenstiges Verhalten u. a. Besonderer Schwerpunkt ist die gesundheitsfördernde Palliative Care für mehr Lebensfreude und Lebensqualität: durch Teilrehabilitation und Stressbewältigung, durch Stärkung des Selbstwertgefühls, durch Geniessen, durch Nutzung verschiedener Unterstützungssysteme

Donnerstag, 02. Februar 2012
13.00 – 17.30 Uhr
Die Behandlung von Depressionen in Palliative Care
Depressionsformen mit besonderen Verletzlichkeiten, Assessment und Diagnostik, Ursachen, klinische Symptome und Therapie, Depression als Störung des Gleichgewichts und personbezogene Depressionstherapie
Dozent: Prof. Dr. med. Daniel Hell, Meilen

Depressionen sind ein schwerwiegendes belastendes Leiden. Die Häufigkeit depressiver Symptome bei schweren somatischen Erkrankungen ist deutlich erhöht. Die Depression (v. lat.: deprimere = niederdrücken), die je nach Schwere und Dauer auch als depressive Episode oder Verstimmung bezeichnet wird, ist eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Sie kann in der Regel bis in die Terminalphase hinein gut behandelt werden. Unbedingt zu beachten ist, dass depressive Verstimmungen nicht mit der Trauer eines Menschen verwechselt werden dürfen, die eine „normale“ seelische und emotionale Reaktion auf belastende Lebensereignisse, auf Verlust ist. In der personbezogenen Depressionstherapie ist die Aufmerksamkeit und Unterstützung des Patienten bei der Auseinandersetzung mit seiner Situation und die Förderung persönlicher Ressourcen wesentlich.

Donnerstag, 08. März 2012
13.00 – 17.30 Uhr
Schlafstörungen
Formen und Ursachen, Diagnostik und Therapie, Schlafhygiene und Selbsthilfe – Wie erholsamer Schlaf möglich ist

Dozent: Prof. Dr. Jürgen Zulley, Regensburg

Chronisch schlechter Schlaf beeinträchtigt massiv die Lebensqualität und verursacht – zusätzlich zu somatischen Erkrankungen – einen grossen Leidensdruck bei den Betroffenen. Per definitionem gehen klinisch relevante Schlafstörungen, die durch quantitativ oder qualitativ verringerten Schlaf verursacht sind, immer mit einer Funktionseinbusse am Tag einher: Konzentrationseinbussen, Müdigkeit, etc. Sie schwächen den Patienten und beeinträchtigen Angehörige. Aufgrund der enormen Bedeutung des Schlafs vermittelt das Seminar Basiswissen über den Schlaf, seine Störungen und wie erholsamer Schlaf wieder möglich wird.

Donnerstag, 15. März 2012
13.00 – 17.30 Uhr
Ethische Aspekte der Versorgung und Entscheidungsfindung
bei psychisch kranken Menschen

Autonomie, Urteilsfähigkeit und Entscheidungen zur (Zwangs)–Behandlung bei psychiatrischen Symptomen und psychiatrischen Erkrankungen
Dozent: Privatdozentin Dr. med. Tanja Krones, Zürich

Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und andere Fachpersonen in der Grundversorgung und in spezialisierten Palliative-Care-Diensten sind immer wieder mit Patientinnen und Patienten konfrontiert, bei denen auf Grund ihrer psychischen Krankheitsbilder die Schmerz- und Symptomerfassung und Behandlung ebenso wie der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung stark erschwert sind. Insbesondere im Spannungsfeld zwischen Autonomie des Patienten und Verantwortung der Behandelnden stellen sich komplexe klinisch–ethische Fragen.

Zielpublikum:

Pflegefachfrauen und –männer, BetreuerInnen u. a. in der Pflege tätige Frauen und Männer, Ärztinnen / Ärzte, SeelsorgerInnen, GerontologInnen, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, Ergo-, AktivierungstherapeutInnen, LeiterInnen und MitarbeiterInnen von Kranken-, Alters- und Pflegeheimen resp. –zentren, von Spitex-Organisationen, Spitälern u. a. Kliniken, privat pflegerisch tätige Menschen, freiwillige BegleiterInnen, Mitglieder von Berufs- und Fachverbänden, von Stiftungen und Behörden des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen, Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen sowie weitere Interessierte.

Kursleitung / DozentInnen:

Dr. Erich Grond

Dr. med. Facharzt für Innere Medizin und Psychotherapie, emeritierter Professor für Sozialmedizin; Dozent für Gerontopsychiatrie in der Aus- und Fortbildung von Fach- und Berufsgruppen im Gesundheitswesen, Lehraufträge an Universitäten und Fachhochschulen; Erich Grond ist einer der konsequenten Vertreter des personenzentrierten Ansatzes im Umgang mit verwirrten alten Menschen; Autor und Herausgeber der Bücher und Standardwerke, u. a.: Altenpflege als Beziehungspflege (2000); Altersschwermut (2001); Pflege Demenzkranker (2009); Kompendium der Alters-Psychiatrie und –Neurologie (2005); Palliativpflege in der Gerontopsychiatrie (2011); Palliativpflege bei Menschen mit Demenz (2009); 100 Fragen zur Gerontopsychiatrie (2010)

Daniel Hell

Prof. Dr. med.; bis Anfang 2009 Ordinarius für Klinische Psychiatrie an der Universität Zürich und ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (Burghölzli); jetzt Leiter des Kompetenzzentrums für Depressions- und Angstbehandlung an der Privatklinik Hohenegg in Meilen; Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher und allgemeinverständlicher Sachbücher und Standardwerke, u. a.: Depression als Störung des Gleichgewichts. Wie eine personbezogene Depressionstherapie gelingen kann (2011); Wege aus der Depression. Burn-out, Lebenskrise, Stress – Hilfe für Betroffene und Angehörige (mit H. Kessler, 2011); Kurzes Lehrbuch der Psychiatrie (mit J. Endrass, J. Vontobel und U. Schnyder, 2011); Die Wiederkehr der Seele. Wir sind mehr als Gehirn und Geist (2010); Depression – Die wichtigsten Antworten (2009); Welchen Sinn macht Depression? Ein integrativer Ansatz (2009); Seelenhunger (2008); Therapie der affektiven Störungen. Psychosoziale und neurobiologische Perspektiven (mit H. Böker, 2008).

Josef Jenewein

PD Dr. med.; Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Schwerpunkttitel für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie FMH; Privatdozent für Psychiatrie und Psychotherapie Universität Zürich; Leitender Arzt des Bereichs Konsiliar-, Liaison- und Notfallspsychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsspital Zürich (USZ); Präsident des Schweiz. Fachverbands für Daseinsanalytische Psychotherapie (SFDP); Arbeits- und Forschungsgebiete u. a.: Psychoonkologie und Palliative Care, Psychosomatik (Bedeutung psychischer Faktoren bei Entstehung und Aufrechterhaltung chronischer Erkrankungen, wie z.B. Schmerzen, COPD) und Psychotraumatologie; Autor zahlreicher wissenschaftlicher Artikel und Buchkapitel, u. a.: Das Menschenbild in der Daseinsanalyse (2006); Psychiatrischer Befund als Leitsymptom rheumatischer Erkrankungen (2008); Alexithymie: Eine Störung der Affektregulation - Konzepte, Klinik und Therapie (2009) sowie Übersichtsarbeiten, u. a.: Neurobiologische und pathophysiologische Grundlagen des Delirs (2007), Alexithymie und Psychotherapie (2009).

Tanja Krones

PD Dr. med., Dipl. Soz.; Studium der Medizin, Soziologie, Psychologie und Politologie; heute Leitende Ärztin Klinische Ethik / Geschäftsführerin Klinisches Ethikkomitee Universitätsspital Zürich; Arbeits- und Forschungsgebiete u. a.: Klinische Ethik / Ethikliaisondienst; Arzt-Patient-Beziehung aus medizinsoziologischer / ethischer Sicht; Migration, Armut und Gesundheit, Interkulturelle Bioethik; Ethik in der Versorgungsforschung; Feministische Theoriebildung / Frauengesundheit; Autorin zahlreicher Fachbücher, u. a.: Empirische Methodologien und Methoden der angewandten und empirischen Ethik (2009); Das neue Gendiagnostikgesetz (2009); Abtreibung-Medizinethisch (2009); Patientenwünsche versus Indikation (2009); Gemeinsame Entscheidungsfindung in der Arzt Patient Beziehung (2009); Kontextsensitive Bioethik (2008).

Jürgen Zulley

Prof. Dr.; Diplom-Ingenieur und Diplom-Psychologe; emeritierter Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg, Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums und Leitender Psychologe am Universitäts- und Bezirksklinikum Regensburg; seit über 35 Jahren ist er auf den Gebieten der Schlafforschung, Chronobiologie und Klinischen Psychologie tätig; Begründer der ‚Schlafschule’ und Präsident der Deutschen Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS); Autor zahlreicher Bücher, u. a.: Die kleine Schlafschule. Wege zum guten Schlaf (2011); So schlafen Sie gut! (2008); Schlaf gut (2007); Mein Buch vom gesunden Schlaf (2005); Wach und fit (2004); Unsere innere Uhr (2003).

Ort:

Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstr. 228,
8057 Zürich

Lageplan / Kartenausschnitt

Kosten:

Teilnahme an den fünf Tagesseminaren, reduzierte Gebühr 19. und 26. Januar, 2. Februar, 8. und 15. März 2012 CHF 700.- *

Die Teilnahme an nur einem oder ausgewählten Tagesseminaren ist möglich, Teilnahmegebühr pro Tagesseminar CHF 170.- *

* inklusive Weiterbildungsunterlagen, Mineralwasser, Obst
exklusive Kaffeepausen.

Kursunterlagen und Zertifikat

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Weiterbildungsmappe mit Literaturempfehlungen, Informations- und Arbeitsblättern zum Thema.

Die Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schriftlich bescheinigt. Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.

Aktuelles von
weiterbildung-palliative.ch