Neuro – Palliative Care

Neuro – Palliative Care
Palliative Medizin, Pflege und Begleitung für Menschen mit fortgeschrittenen neurologischen Erkrankungen

11.05.2012

LEBEN BIS ZULETZT
UND IN FRIEDEN STERBEN

Die letzte Lebensphase eines Menschen ist wesentlich durch Abhängigkeit, Verletzlichkeit und Schwäche bestimmt. Gleichzeitig hat der Patient das Bedürfnis, seine Autonomie bis weit in die Krankheit hinein zu erhalten. „Ich will sterben und mich nicht sterben lassen“ – dies ist mit den Worten des italienischen Lyrikers und Schriftstellers Cesare Pavese eine der grossen Hoffnungen des Menschen im Blick auf das Ende seines Lebens. Voraussetzung dafür ist, dass der schwer kranke Mensch nicht von Schmerzen und anderen Qualen gepeinigt wird, wie dies der englische Schriftsteller John Donne im 17. Jahrhundert notierte: „We die, and cannot enjoy death, because we die in the torment of sickness; we are tormented with sickness“ (vgl. die Übersetzung im Titel des Vortrags von Andreas Kruse).

Der Respekt gegenüber dem kranken Menschen und seinen Bedürfnissen und das Ziel, den Patienten im Erleben der eigenen Würde zu unterstützen, stellen für den Kranken, seine Angehörigen und die Behandelnden eine essenzielle Grundposition in der palliativen Medizin, Pflege und Begleitung dar. Im Rahmen von Palliative Care stehen vielfältige Behandlungsoptionen und Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung, die weit über ein alleiniges Symptommanagement hinausgehen und die körperlichen, seelischen, sozialen, existenziellen und spirituellen Erfahrungen des Patienten berücksichtigen.

Menschen mit fortgeschrittenen neurologischen, neurodegenerativen Erkrankungen – Amyotrophe Lateralsklerose, Demenz, Hirntumore, Multiple Sklerose, Parkinson-Kranheit, Schlaganfall – stellen besondere Anforderungen an die Behandelnden und Pflegenden sowie die Angehörigen. Die Patientinnen und Patienten sind häufig kognitiv, sprachlich und / oder neuropsychologisch eingeschränkt, was zu einer starken Veränderung ihrer Kommunikation führt. Ausserdem leiden sie zumeist an körperlichen Einschränkungen: Lähmungen, Spastik, Sensibilitätsstörungen, Koordinations- und Sehstörungen. Bei der Erfassung von Schmerzen und anderen Krankheitsbeschwerden müssen deshalb von den Behandelnden, Pflegenden und Betreuenden andere, teilweise neue Wege beschritten werden.

Oft müssen stellvertretende Entscheidungen getroffen werden, da der in seiner Kommunikationsfähigkeit und / oder seiner Bewusstseinsminderung beeinträchtigte Betroffene dazu nicht in der Lage ist. „Entsprechend dem palliativen Paradigma der radikalen Patientenorientierung müssen die in der Neurologie implementierten symptombehandelnden Massnahmen in ihrer Zielrichtung radikal an der Lebensqualität des betroffenen Menschen ausgerichtet werden.“, betont der Neurologe und Palliativmediziner Christoph Gerhard: „Da viele neurologisch Kranke unter Veränderungen der kognitiven und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten leiden, ist eine suchende Haltung notwendig. Trotz erschwerter oder unmöglicher sprachlicher Kommunikation muss dennoch nach möglichen Symptomen und deren Auswirkungen, nach Wünschen und Bedürfnissen gesucht werden, so schwer und vieldeutig das auch sein mag.“

TAGUNGSPROGRAMM


Buchvernissage
im Rahmen der Tagung

Christoph Gerhard
Neuro – Palliative Care
Interdisziplinäres Praxishandbuch zur palliativen Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen.
Bern 2011. Verlag Hans Huber.

Zielpublikum:

Die Tagung ist öffentlich. Sie wendet sich an alle interessierten Frauen und Männer, an Fachpersonen und AkteurInnen im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge tätige Frauen und Männer: Ärztinnen und Ärzte, PsychiaterInnen und Psychiater und PsychotherapeutInnen, Pflege- und Betreuungsfachpersonen, MitarbeiterInnen von psychiatrischen Kliniken, Alters- und Pflegezentren resp. -heimen, Spitex-Organisationen, SeelsorgerInnen und PsychologInnen, SozialarbeiterInnen und andere Fachpersonen.

Angesprochen sind aber auch Verantwortliche aus der Politik, Mitglieder von Berufs- und Fachverbänden, von Stiftungen und Behörden des Gesundheitswesens, Patientenorganisationen und weitere Interessierte.

Kursleitung / DozentInnen:

Gian Domenico Borasio

Prof. Dr. med., Arzt für Neurologie und Palliativmedizin, ist seit Herbst 2011 Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Palliativmedizin in der Schweiz an der Universität Lausanne; zugleich Lehrbeauftragter für Palliativmedizin an der Technischen Universität München.

Von 2006 bis 2011 war Dr. Borasio Lehrstuhlinhaber für Palliativmedizin an der Universität München.

Er gilt als einer der bedeutenden Palliativmediziner Europas und war massgeblich daran beteiligt, dass ein bisher einzigartiges Netzwerk an Professuren in Deutschland geschaffen worden ist, das alle Bereiche der physischen, psychosozialen und spirituellen Begleitung schwer kranker und sterbender Menschen in die Lehre und Forschung integriert. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Gian Domenico Borasio durch sein Engagement für ein Gesetz über Patientenverfügungen.

Gian Domenico Borasio ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen; zuletzt Borasio et al.: Sterben. Dimensionen eines anthropologischen Grundphänomens (2012); Ernährung bei Schluckstörungen (2011); Patientenverfügung. Das neue Gesetz in der Praxis (2011); Leben im Koma (2011). An eine breite Öffentlichkeit richtet sich sein Sachbuch Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen (2011), das innerhalb weniger Wochen in mehrfachen Auflagen erschienen ist.

Christoph Gerhard

Dr. med.; Arzt für Neurologie, Palliativmedizin und spezielle Schmerztherapie; Oberarzt der neurologischen Abteilung der Katholischen Kliniken Oberhausen (KKO) D; Leiter des Palliativkonsiliardienstes der KKO; Master (Universität Bonn) und Trainer (Harvard University) Palliative Care; Weiterbildungsbeauftragter für Palliativmedizin der Ärztekammer Nordrhein und Kursleiter der DGP; Stellv. Sprecher der Arbeitsgruppe Nichttumorpatienten der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP); zahlreiche Publikationen in Fachbüchern und –zeitschriften; Christoph Gerhard ist Autor des Buches Neuro – Palliative Care. Interdisziplinäres Praxishandbuch zur palliativen Versorgung von Menschen mit neurologischen Erkrankungen (2011).

Dr. Andreas Kruse

Prof. Dr. phil.; Studium der Psychologie, Philosophie und Musik; seit 1997 Professor und Direktor des Instituts für Gerontologie sowie Dekan der Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Vorsitzender der ‚Sechsten Altenberichtskommission der deutschen Bundesregierung’, Mitglied des Kuratoriums des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Direktoriums des Forschungszentrums für Internationale und Interdisziplinäre Theologie. Andreas Kruse ist Autor und Herausgeber zahlreicher wissenschaftlicher und allgemeinverständlicher Sachbücher und Standardwerke, u. a. Das letzte Lebensjahr. Die körperliche, psychische und soziale Situation des alten Menschen am Ende seines Lebens (2007); Zukunft Altern. Individuelle und gesellschaftliche Weichenstellungen (2010); Leben im Alter. Eigen- und Mitverantwortlichkeit in Gesellschaft, Kultur und Politik (2010); Potenziale im Altern. Chancen und Aufgaben für Individuum und Gesellschaft (2010); Lebensqualität bei Demenz (2010).

Dr. Roland Kunz

Dr. med., Arzt für Allg. Medizin spez. Geriatrie FMH; Chefarzt der Geriatrie und des Kompetenzzentrums für Palliative Care am Spital Affolten am Albis; Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung / Mitglied der zentralen Ethikkommission der Schweiz. Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW; Preisträger des erstmals 2010 verliehenen Schweizer Palliative Care Preises; Autor zahlreicher Fachbücher, u. a. Schmerzmanagement beim älteren Menschen. Besonderheiten und praktische Empfehlungen (2009); Palliativmedizin. Ein Handbuch für Ärztinnen und Ärzten (2006); Lehrbuch Palliative Care (2006, Huber); Hospizkompetenz und Palliative Care im Alter (2010); Demenz und Palliative Geriatrie in der Praxis (2011).

Anna Maria Sury

Pflegefachfrau SRK; Study Nurse, Case Managerin / Koordinatorin / Care Management Centro Myosuisse Ticino in Lugano und Bellinzona; Koordination Therapieleistungen – Rehabilitation Therapiezentrum Acquasana Muralto, Koordination Soziales, allgemeininternistische Arztpraxis Al Lido in Locarno; Arbeitsschwerpunkte u. a.: die Begleitung von ambulanten und stationären neuromuskulären Patienten; Durchführung von Pflegeberatungsgesprächen von neuromuskulären Patienten und ihren Angehörigen in komplexen Lebenssituationen, in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Ort:

Grosser Vortragssaal des Kunsthauses Zürich,
Heimplatz 1,
8001 Zürich

Lageplan / Kartenausschnitt

Kosten:

Aktuelles von
weiterbildung-palliative.ch