
18.06.- 20.06.2012
Lebensqualität fördern – dies ist in allen Stadien der Demenz ein zentrales Ziel von Pflege und Betreuung. Dabei kommt es darauf an, sich an den individuellen Ressourcen des Menschen mit Demenz zu orientieren. Grundlegende Ressourcen, die auch im fortgeschrittenen Krankheitsstadium noch erhalten bleiben, sind positive Alltagssituationen: Situationen, in denen Freude, Wohlbefinden und positive Anregung erlebt werden kann. In positiven Alltagssituationen kommen Menschen mit Demenz in Kontakt mit Personen, Dingen, Aktivitäten und Erinnerungen, die für sie individuell bedeutsam sind. Mit solchen individuell bedeutsamen Anderen in Beziehung sein, bedeutet Lebenssinn zu erfahren.
Das DEMIAN*− Pflegekonzept wurde für stationäre und teilstationäre Altenpflegeeinrichtungen entwickelt. Es ermöglicht eine systematische Einbindung emotionaler Ressourcen von Menschen mit Demenz in den Pflegeprozess. Die in pflegerischen Interaktionen gewonnenen Wahrnehmungen und Informationen werden hier genutzt, um konkrete und realisierbare Pflegemaßnahmen zu entwickeln. Ziel ist es, im Alltag immer wieder positive Erfahrungsmöglichkeiten für und mit Menschen mit Demenz zu gestalten.
Das Pflegekonzept DEMIAN hat am Institut für Gerontologie einen mehrstufigen Forschungs- und Konzeptionsprozess durchlaufen. Die durchgeführten Studien haben gezeigt, dass die Arbeit mit positiven Alltagssituationen nicht nur zur Lebensqualität der Menschen mit Demenz beiträgt, sondern auch von den Pflegenden selbst als gewinnbringend erlebt wird. Der Blick auf die verbliebenen Spielräume zur Verbesserung der Lebensqualität verändert auch die Sicht auf Menschen mit Demenz: Nicht die Erkrankung, sondern der Mensch in seinen individuellen Bindungen an das Leben rückt in den Vordergrund.
Im Rahmen des Seminars erhalten die Teilnehmer eine Einführung in das Konzept. Sie erproben das Arbeiten mit DEMIAN im Rahmen praktischer Übungseinheiten und erarbeiten mögliche Wege, Elemente des Konzepts im eigenen Arbeitsfeld umzusetzen.
Wir laden Sie herzlich ein!
Dr. Marion Bär, Charlotte Berendonk, Matthias Mettner
* DEMIAN: DEmenzkranke Menschen in Individuell bedeutsamen AlltagssituationeN
In diesem Themenschwerpunkt geht es vorrangig um die Entwicklung einer hermeneutischen Haltung im Umgang mit Menschen mit Demenz. Weiterhin werden Ressourcen und Potenziale sowie ihre Verbindung zu Individualität und Personsein thematisiert. Dabei geht es insbesondere um den Bereich der Emotionalität und der emotionalen Bindungen.
Hier stehen die pflegepraktischen Kernbereiche des Konzepts im Mittelpunkt. Dazu zählen die Indikationsstellung und multiperspektivische Anamnese positiver Alltagssituationen, die Pflegeplanung, sowie die Moderation des Teamaustauschs.
Im Rahmen dieses Schwerpunkts steht der Transfer in den individuellen Arbeitsalltag im Vordergrund. Es werden Ressourcen und mögliche Barrieren für den Transfer erarbeitet. Weiterhin werden Handlungsschritte entwickelt, um Elemente des DEMIAN-Konzepts anwenden und ggf. auch weitere Mitarbeiter dabei einbeziehen zu können.
In der Langzeitpflege und −Betreuung sowie Geriatrie tätige Frauen und Männer von Alters- und Pflegeheimen bzw. –zentren, stationären und teilstationären Kliniken, Spitex-Organisationen, geriatrische Abteilungen von Spitälern u. a. Institutionen in der Grundversorgung oder der spezialisierten Palliative Care:
Pflegefachfrauen und –männer, FASRK, FaGe, Fachpersonen Betreuung, FaBe, Ärztinnen / Ärzte, SeelsorgerInnen, GerontologInnen, PsychologInnen, SozialarbeiterInnen, Ergo-, AktivierungstherapeutInnen, Mitglieder von Berufs- und Fachverbänden, von Stiftungen und Behörden des Gesundheitswesens sowie Patientenorganisationen.
ist staatlich anerkannte Altenpflegerin und Diplom-Pflegewirtin (FH). Als Mitglied im Forschungsteam zum DEMIAN-Konzept war sie federführend bei der Integration des Konzeptes in den Pflegeprozess und der Implementation in den Arbeitsalltag der Altenhilfe. Zurzeit promoviert sie im von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Graduiertenkolleg Demenz am Netzwerk AlternsfoRschung der Universität Heidelberg. In ihrem Promotionsprojekt beschäftigt sie sich mit den subjektiven Vorstellungen Pflegender zur Biografiearbeit mit Menschen mit Demenz. Darüber hinaus interessiert sie sich für den Theorie-Praxis-Transfer in der Altenpflege und Geriatrischen Rehabilitation.
ist Diplom-Gerontologin und arbeitet als Prozessberaterin und Trainerin am Kompetenzzentrum Alter des Instituts für Gerontologie. Sie war Mitglied im DEMIAN-Forschungsteam und hat die anthropologischen Grundlagen des Konzepts entwickelt. Weitere Arbeitsschwerpunkte von ihr sind Sinnsuche und Sinnerfahrung in Grenzsituationen des hohen Alters, die Verbindung von anthropologisch-ethischen Grundlagen und praktischen Umsetzungsfragen in der Pflege hochaltriger, demenzerkrankter und sterbender Menschen sowie die Förderung von Transferprozessen zwischen Wissenschaft und Anwendungspraxis.
Studien- und Geschäftleiter von ‚Palliative Care und Organisationsethik–Interdisziplinäre Weiterbildung CH» 2007 Gründung des ‚Forums Gesundheit und Medizin» seit 1993 Dozent in der beruflichen Weiterbildung für Fach- und Berufsgruppen des Gesundheitswesens; Gründungsmitglied der Schweizerischen ALS-Vereinigung;
Autor und Herausgeber der Bücher „Dem Leben neu vertrauen. Das Buch von Trauer und Trost”(2010 )„Wie menschenwürdig sterben?” (2003); und „Wie ich sterben will. Autonomie, Abhängigkeit und Selbstverantwortung am Lebensende” (2003; hrsg. gemeinsam mit R.Schmitt-Mannhart); Aufsätze in Fachbüchern u. a. Printmedien: Enzyklopädie der Gerontologie (2004), NOVA, NZZ.
Zentrum für Weiterbildung / Universität Zürich,
Schaffhauserstr. 228,
8057 Zürich
Kursgebühr CHF 570.-
inklusive Weiterbildungsunterlagen, Mineralwasser und Obst, exklusive Pausenverpflegung und Mittagessen
Die Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern schriftlich bestätigt. Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.