Die Anforderungen an die Institutionen der Langzeitpflege und Geriatrie sind in den letzten Jahren gestiegen. Chronische Schmerzen und Beschwerden, unheilbare und fortschreitende Krankheiten (Demenz u. a.) sowie eine ausgeprägte Multimorbidität (Mehrfacherkrankung) bei älteren pflegebedürftigen Menschen führen häufig zu komplexen medizinischen Situationen und stellen besondere Anforderungen an die Heim-, Pflegedienst- und Spitex-Leitungen, die ÄrztInnen und Pflegenden sowie andere MitarbeiterInnen.
In Ergänzung zur kurativen und rehabilitativen, auf Heilen und das Wiederherstellen von Funktionsfähigkeit zielenden medizinischen Behandlung und Pflege (curare, lat. = heilen) gewinnt die palliative Medizin, Pflege und Begleitung, der es zentral um das Lindern von Leiden und das Begleiten von Patientinnen und Patienten geht (pallium, lat. = Mantel), zunehmend an Bedeutung. Als Antwort auf schwere Leiden und unheilbare, lebensbedrohliche oder chronisch fortschreitende Krankheiten ist Palliative Care (internationale Bezeichnung) heute für PatientInnen und Angehörige ebenso wie für Pflege- und Gesundheitsberufe ein starkes Hoffnungszeichen. Palliative Care steht für Respekt und Würde, für Autonomie, Schutz und Selbstverantwortung, für Wohlbefinden und Lebensqualität.
Palliative Care ist Ausdruck der gesellschaftlichen Verantwortung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase, in der sie häufig besonders schutz- und hilfsbedürftig sind. In Verantwortung für schwer kranke und sterbende Menschen und ihre Angehörigen versucht die Palliative Medizin, Pflege und Begleitung als aktives, ganzheitliches Behandlungs- und Betreuungskonzept dem Kranken und Sterbenden umfassend beizustehen.
Ziel von Palliative Care ist es, den Patienten eine möglichst gute Lebensqualität und Wohlbefinden bis zum Tod zu ermöglichen. Dabei sollen belastende Symptome wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erschöpfung, Angst, Verwirrung optimal gelindert und „entsprechend den Wünschen des Patienten, auch soziale, seelisch-geistige und existenzielle bzw. religiös-spirituelle Aspekte berücksichtigt werden“ (‚Palliative Care – Medizinisch-ethische Richtlinien und Empfehlungen’, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW, 23. Mai 2006).
Im Wissen darum, dass die letzte Lebensphase so individuell wie das Leben und der Krankheitsverlauf eines jeden Patienten ist, steht die Lebensqualität des Patienten, sein subjektives Leiden, seine Wünsche, Ängste und Hoffnungen im Mittelpunkt aller Bemühungen von Palliative Care. Lebensqualität wird nicht primär medizinisch definiert, sondern im lebensgeschichtlichen Kontext der Patientin / des Patienten verstanden: „Im Vordergrund des palliativen Ansatzes steht die Auseinandersetzung mit der fortschreitenden Krankheit, dem persönlichen Schicksal des Patienten, mit seinem Umfeld, seiner Lebensgeschichte, seinem Glauben bzw. seinen Lebensüberzeugungen, speziell mit seinen Gedanken und Gefühlen gegenüber Leiden, Sterben und Tod (Bio-psycho-sozialer Krankheitsbegriff).“ (SAMW ‚Palliative Care’ Richtlinien)
Im Zentrum der palliativen Versorgung und Begleitung stehen die Krankheitssymptome und Probleme, welche die Patientin / den Patienten am stärksten stören und belasten. Palliative Care „achtet die Würde und Autonomie des Patienten und stellt seine Prioritäten in den Mittelpunkt“ (SAMW Richtlinien).
Keineswegs aber beschränkt sich Palliative Care nur auf die Versorgung und Pflege von Menschen in der letzten Lebensphase („End-of-Life Care“). Sie ist nicht „nur“ Sterbebegleitung, sondern richtet sich ebenso an PatientInnen, die trotz schwerer Krankheit noch eine längere und durchaus lebenswerte Zeitspanne vor sich haben.
Palliative Care ist eine wesentliche Voraussetzung für den Schutz der Rechte, der Autonomie und Würde von pflegebedürftigen älteren, chronisch und schwer kranken sowie sterbenden Menschen. Es werden Bedingungen geschaffen, die es den Patientinnen und Patienten erlauben, trotz ihrer mannigfaltigen Abhängigkeiten ein möglichst autonomes und selbstverantwortliches Leben zu führen.
Gleichzeitig ermöglicht die palliative Betreuung den Angehörigen und den Fachleuten im Gesundheits-, Sozial- und Beratungsbereich sowie in der Seelsorge ihre Arbeit als sinnvoll zu erleben und den Belastungen der Konfrontation mit psychosozialem Leiden und chronischer Krankheit, Pflegeabhängigkeit und Demenz, Sterben und Tod standzuhalten.
Palliative Care gewinnt eine immer grössere Bedeutung auch für Menschen mit Behinderung, die dank der Fortschritte in Medizin und Pharmakologie sowie guter Lebensverhältnisse heute in der Regel ein markant höheres Lebensalter erreichen und vermehrt von chronischen und schweren Erkrankungen betroffen sind.
Die ‚Nationale Strategie Palliative Care 2010 – 2012’, die im Oktober 2009 von Bund und Kantonen, dem Bundesamt für Gesundheit BAG und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren GDK. Gemeinsam beschlossen worden ist, hat zum Ziel, Palliative Care gemeinsam mit den wichtigsten Akteuren in der Schweiz zu verankern. Die von uns durchgeführten internen Weiterbildungen in Palliative Care werden auf Grundlage der ‚Nationalen Leitlinien Palliative Care’ durchgeführt und orientieren sich vollständig an dem darin in sieben Leitlinien zusammengefassten gesamtschweizerischen Konsens, was Palliative Care beinhaltet, wann sie beginnt oder wer sie erbringt.
In den ‚Nationalen Leitlinien‘ (Januar 2011) wird Palliative Care wie folgt definiert: „Die Palliative Care umfasst die Betreuung und die Behandlung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen und / oder chronisch fortschreitenden Krankheiten. Sie wird vorausschauend miteinbezogen, ihr Schwerpunkt liegt aber in der Zeit, in der die Kuration der Krankheit als nicht mehr möglich erachtet wird und kein primäres Ziel mehr darstellt. Patientinnen und Patienten wird eine ihrer Situation angepasste optimale Lebensqualität bis zum Tode gewährleistet und die nahestehenden Bezugspersonen werden angemessen unterstützt. Die Palliative Care beugt Leiden und Komplikationen vor. Sie schliesst medizinische Behandlungen, pflegerische Interventionen sowie psychologische, sozial und spirituelle Unterstützung mit ein.“
Palliative Kenntnisse werden zukünftig zentral zur Kompetenz jeder Berufs- und Fachgruppe im Gesundheitswesen gehören. Entscheidend aber ist, Palliative Care in die Institutionen der Langzeitpflege, Betreuung und Geriatrie zu integrieren. Für Alters- und Pflegeheime resp. –zentren, Spitex-Organisationen, Kliniken, Institutionen für Menschen mit Behinderung u. a. wird eine integrierte Palliative Care und Sterbebegleitung zum Gütesiegel einer zukunftsfähigen Qualitätssicherung und -entwicklung.
„Die Palliative Care orientiert sich an den Bedürfnissen, Symptomen und Problemstellungen der betroffenen Patientinnen und Patienten sowie ihrer nahestehenden Bezugspersonen. Aufgrund der unterschiedlichen Bedürfnisse wird zwischen Patientinnen und Patienten in der Grundversorgung (Patientengruppe A) und Patientinnen und Patienten in der spezialisierten Palliative Care (Patientengruppe B) unterschieden.“ (Nationale Leitlinien Palliative Care, Leitlinie 4).
Wir richten dementsprechend unsere Aufmerksamkeit bei Weiterbildungen nicht nur auf die Erweiterung der Fachkompetenzen von Einzelpersonen, sondern vor allem auch auf die spezifischen Aufgaben und Betreuungssettings der jeweiligen Institution und Organisation als soziales System in der Grundversorgung oder spezialisierten Palliative Care. „Es gibt keinen Dienst am Menschen ohne eine Dienstleistung an der Organisation und durch die Organisation.“ (Andreas Heller)
Weiterbildungen in Institutionen der Langzeitpflege, Betreuung und Geriatrie, an denen eine Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilnehmen, sind wirkungsvoll und vermögen die Qualität der Betreuung deutlich zu erhöhen. Die Kompetenz der einzelnen Mitarbeitenden wird ebenso erweitert und gestärkt wie die Qualität der Zusammenarbeit im Betrieb erhöht wird. Gleichzeitig steigt erfahrungsgemäss die Identifizierung mit der eigenen Institution.
Mit unseren praxisnahen Weiterbildungen und Schulungen, die für den spezifischen Bedarf Ihrer Institution massgeschneidert werden, führen wir Institutionen der Langzeitpflege, Betreuung und Geriatrie und ihre MitarbeiterInnen an die Standards für Palliative Care heran. Wir initiieren, unterstützen und moderieren – gemeinsam mit der Heim- resp. Zentrumsleitung und der Pflegedienstleitung – nachhaltige Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in der Institution, um diese noch besser auf die Bedürfnisse und Werte von Patientinnen und Patienten auszurichten.
Wir konzipieren für Sie gemäss Bedarfsanalyse interne Weiterbildungen und Schulungen, die sich an alle Mitarbeitende der verschiedenen Berufsprofile und -abschlüsse in der Pflege und Betreuung richten. Auf Wunsch organisieren wir mit Ihnen auch eine Start- und Schlussveranstaltung, die sich an die Öffentlichkeit, an Behörden und / oder VertreterInnen des Trägers Ihrer Institution richtet.
Ein besonderes Anliegen ist es uns, die multiprofessionelle Zusammenarbeit aller beteiligten Fach- und Berufsgruppen – Heim- und Hausärztinnen und –ärzte, Pflegende, Seelsorgende u. a. – im Interesse der Patientinnen und Patienten zu verbessern.
Folgende Ziele stehen im Vordergrund der Weiterbildungen:
Für die verschiedenen Weiterbildungseinheiten / Kursmodule werden entsprechende Lernziele formuliert, die sich in die folgenden drei Bereiche untergliedern :
Basis der von uns durchgeführten internen Weiterbildungen in Palliative Care sind die ‚Nationalen Leitlinien Palliative Care’. Die Orientierung an den in der 3. Leitlinie genannten ‚Prinzipien bei der Erbringung der Palliative Care‘ ist uns selbstverständlich:
Grundlage unserer Weiterbildungsangebote ‚Palliative Care integrieren‘ zur Implementierung palliativer Kompetenzen und Strukturen sind zudem die von palliative ch, der Schweizerischen Gesellschaft für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung, erarbeiteten nationalen Empfehlungen zur Aus- und Weiterbildung in Palliative Care, insbesondere die ‚Qualitätskriterien für Palliative Medizin, Pflege und Begleitung zur stationären Behandlung in Institutionen der Langzeitpflege‘, die Qualitätskriterien für die spezialisierte stationäre Palliative Care sowie für mobile Palliativdienste.
Die von uns durchgeführten Weiterbildungen orientieren sich ausserdem an den medizinisch-ethischen Richtlinien, Empfehlungen und Grundsätzen der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften SAMW / www.samw.ch
Palliative Care (Mai 2006),Die durchgeführte Weiterbildung wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie der Institution resp. dem Betrieb schriftlich bescheinigt. Ziele, Inhalte, Teilthemen und Dauer der Weiterbildung werden differenziert aufgeführt.
ZertifikatDie Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten eine Weiterbildungsmappe mit Informations- und Arbeitsblättern, Literaturempfehlungen, Basisdokumenten und Aufsätzen zu Palliative Care (Standards, nationale Empfehlungen, etc.).
Matthias Mettner, Studien- und Geschäftsleiter
Palliative Care und Organisationsethik
Begleitung kranker, sterbender und trauernder Menschen
Interdisziplinäre Weiterbildung CH
Postfach 425, 8706 Meilen ZH
Tel.: 044 980 32 21
E-Mail: info@weiterbildung-palliative.ch